Ludwig von Mises

Leben

(* 29. September 1881 in Lemberg; † 10. Oktober 1973 in New York); Ludwig von Mises, dessen Ururgroßvater von Kaiser Franz Josef in den erblichen Adelsstand erhoben worden war, entstammte einer Familie assimilierter Juden und wurde 1881 im galizischen Lemberg geboren. Ludwig besuchte das Akademische Gymnasium, studierte Rechtswissenschaften und begann 1909, nach einer kurzen Zeit als Konzipient, seine berufliche Laufbahn an der Wiener Handelskammer. In der formalen Position eines einfachen Beamten des Kammersekretariats, in der er die nächsten 35 Jahre verbleiben sollte, wurde er faktisch zu einem der maßgeblichen Ökonomen des Landes. Unter dem Einfluss Carl Mengers und Eugen von Böhm-Bawerks wandte sich Ludwig von Mises schon in jungen Jahren dem Gedankengut der Österreichischen Schule zu und konnte sich bereits 1912 mit seiner Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel habilitieren. Die weitreichenden ökonomischen Themen, mit denen er sich in der Folge beschäftigte, »waren meist Probleme, bezüglich derer er die vorherrschende Meinung für falsch hielt« (Hayek, in: Mises 1978, XII). Mises verbarg kaum, dass er für nicht wenige Vertreter seines Faches nur Verachtung übrig hatte. Mit Human Action (1949), der englischen Überarbeitung seines Hauptwerks Nationalökonomie (1940), erreichte er nach und nach den ersehnten Erfolg. In diesen wie auch in seinen früheren und noch später folgenden Werken, zeigte sich Mises stets als scharfsinniger Beobachter und unbestechlicher Denker. Manche Entwicklungen ahnte er als logisch absehbare Konsequenzen weit voraus, so etwa die Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre. Auf Grund seiner radikal liberalen Haltung lehnte er Staatseingriffe in den Wirtschaftsablauf ab und schrieb zeitlebens entschieden gegen die Anmaßungen der Etatisten an. Gegenüber dem Anarchismus grenzte er sich jedoch deutlich ab. Von seinen Gegnern, die immer in der Überzahl waren, wurde Mises als starrköpfig, intolerant und extremistisch eingestuft. Seine Schüler betonten die intellektuelle Offenheit und Weitherzigkeit, die in seinem Privat-Seminar vorherrschte. Von der Wahrheit seiner Thesen und der Sinnhaftigkeit seiner Arbeit, die ihm zeit seines Lebens weder Reichtum noch akademische Ehren einbrachten, blieb er jedoch stets überzeugt.